Zen-Buddhismus

Siddhartha Gautama (563 – 483 v. Chr.) wurde wurde als Fürstensohn geboren und führte ein luxuriöses Leben bis er mit 29 Jahren die Leiden dieser Welt in Gestalt von Alter, Krankheit und Tod wahrnahm und zu einem Asketen wurde, um dem Kreislauf von Geburt und Tod zu entkommen. Dies brachte ihn durch die strengen Entsagungen und Kasteiungen an den Rand des Todes, bis er nach 6 Jahren dies als Irrtum erkannte und in der achtsamen Meditation die Erleuchtung erlangte und zum Buddha wurde.

Der Zen-Buddhismus führt seinen Ursprung auf dieses Erwachungserlebnis zurück, dessen Essenz von Mönch zu Mönch kontinuierlich bis in unsere heutige Zeit überliefert wurde. Am Anfang dieser Übertragungskette steht ein eindrucksvolles Ereignis:

Einst, als der Buddha auf dem Geierberg weilte, hielt er eine Blume hoch, drehte sie und zeigte sie der Versammlung.
Da verharrten alle im Schweigen. Nur der ehrwürdige Kashyapa begann zu lächeln.
Buddha sprach: Ich habe das kostbare Geschenk meiner Lehre. Jetzt vertraue ich es dem Mahakashyapa an.

 

Im 5. Jh. gelangte diese Lehre durch den Mönch Bodhidharma als Ch`an- Schule nach China, wo es bis zum 10. Jh. in Verschmelzung mit dem Daoismus zu großer Blüte erwuchs, und ab dem 12. Jh. lebte es durch den Zen-Meister Dogen Zenji in Japan neu auf und ist bis in das heutige Japan hinein lebendig geblieben.

Zen zeichnet sich dadurch aus, dass es durch seine lange Wanderungsgeschichte und durch die Konzentration auf die Zen-Meditation im Zazen von allen buddhistischen Ritualen befreit, auch den Weg in unsere westliche Welt gefunden hat. Man kann Zazen üben, ohne Buddhist zu sein.

Zazen ist die Übung des Sitzens in der aufrechten Meditationshaltung, wobei die Absichtslosigkeit und die Achtsamkeit auf den Körper dazu führen, die Verstrickungen in Gewohnheiten und in die immerzu wandernden Gedanken zu lösen und uns aus dem Kreislauf künstlicher Abhängigkeiten zu befreien.

Das Erwachen ist das Sehen in unsere eigene Natur (jap. kensho). Es entzieht sich einer verbalen Erklärung, aber es ist erfahrbar. Derjenige, der es erkennt, ist es selbst. Es ist die wirkliche Essenz unseres Lebens (Buddhanatur), sehr subtil, nicht wahrnehmbar, aber sie ist unsere wahre Lebenskraft.

Zazen ist die Übung der Stille in der Aufrichtung. Nur durch die Aufrichtung im Körper ist es uns möglich, den Kreislauf der Gedanken zur Ruhe zu bringen und in die Tiefe der Stille einzudringen, wo sich unsere wahre Natur offenbaren kann. Aus dieser Mitte unserer Existenz heraus zu leben, läßt uns unsere innerste Freiheit und Ruhe finden, die nicht abhängig von äußeren Gegebenheiten ist.

Aber in dieser tiefsten Nähe zu uns selbst, brauchen wir unbedingtes Vertrauen in unsere wahre Natur, so dass jede Handlung aus dieser Haltung entstehen kann. Ein wichtiges Koan aus der Tradition des Zen versucht dies zu verdeutlichen.

Ein Zen-Meister sagte: Wie willst du von der Spitze einer dreißig Meter hohen Stange vorwärts gehen?

Jede Handlung des Alltags ist von dieser Erfahrung geprägt, ob wir es nun wahr haben wollen oder nicht. Es bleibt nur Vertrauen, kein Vertrauen auf … . Es ist ein Leben aus der Mitte und Zazen ist sein reinster Ausdruck.