Chris Stevens

Physiologische Entdeckungen

Seit den zwanziger Jahren unseres 20.Jahrhunderts zeigten sich neue Erkenntnisse der Physiologie über das Reflexgeschehen des menschlichen Körpers (z.B. R. Magnus, T. D. M. Roberts). Der Körper wird unterstützt durch eine Reihe von Reflexen, von denen einer der Unterstützungsreflex (‘supporting reflex’) der Beine und Arme ist. Er wird ausgelöst durch den Kontakt der Haut der Füße und Hände mit einem Untergrund. Sein Wirken wird effektiver durch die Zuwendung unserer bewussten Aufmerksamkeit. Die Auswirkung der Unterstützungsreaktionen in den Beinen und Armen zeigt sich in den tiefen Muskeln des Beckens, des Rumpfes, der Schultern und des Halses. Diese tiefen Muskeln kennen aufgrund ihrer speziellen Struktur keine Ermüdung im Gegensatz zu den Muskeln an der Oberfläche des Körpers, den Bewegungsmuskeln.
Wenn wir nun in die Arbeit der Unterstützungsreflexe störend eingreifen, muss uns etwas anderes im Körper aufrechthalten, und dies sind normalerweise die Bewegungsmuskeln, die dafür nicht gedacht sind und leicht ermüden. Diese werden dadurch übermäßig angespannt und dies über eine lange Zeit, was z.B. zu chronischen Schmerzen führen kann.
Arbeiten die Unterstützungsreflexe jedoch angemessen, hat man ein Gefühl von geringerer Anstrengung und Schwere im Körper und die Oberflächenmuskeln zeigen weniger Aktivität. Die Halsmuskeln sind weniger angespannt und erlauben es dem Kopf, in eine balancierte Stellung zurückzukehren.

A Way of Being - Posture and Pain

(with Chris Stevens)

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Gründe für eine Neuorientierung

Der englische Alexander-Lehrer und Physiker Chris Stevens (1943-2003) fand in seinen Experimenten zum Zusammenhang zwischen Bewegungen und der Beziehung von Kopf und Hals eine geringere Bedeutung des ‘Halses als Funktionseinheit’ für die Effizienz als erwartet. Er erkannte, dass Inhibition mehr bedeutet als zu stoppen und dann den Hals freizugeben, so dass der Kopf sich nach vorne und oben richten kann. Sie bedeutet eher das Unterlassen von störender Einmischung (‘stopping of interferences’) im gesamten Organismus.
Außerdem war er unzufrieden mit der passiven Rolle des Schülers während der Arbeit mit der Alexander-Technik. Man geht aus den Stunden mit einem Gefühl der Leichtigkeit, muss aber mit ansehen, wie dieses mit der Zeit nachlässt. Der Schüler hat auch keine Möglichkeiten der eigenen Weiterarbeit.

Unterstützungsreflexe

Chris Stevens und Nadia Kevan haben es ausgehend von seinen wissenschaftlichen Experimenten zum menschlichen Gebrauch geschafft, diese Erkenntnisse in ein System zu integrieren, das es stufenweise ermöglicht, die Unterstützungsreflexe wieder in eine angemessene Funktion zu versetzen.
In einer ersten Phase wird man sich der konkreten Unterstützung, die einem durch die derzeitige Unterlage gewährt wird, bewusst. Dies variiert je nach der gerade eingenommenen Position: im Liegen gewährt der Boden mehr Unterstützungsfläche für den Körper als im Stehen, wo ja nur die Fußsohlen den Kontakt liefern.
Die zweite Phase ist der direkten Arbeit mit dem Unterstützungssystem gewidmet. Ausgehend von den Füßen, in deren zwischen den Knochen gelegenen Muskeln (interossei-Muskeln) sich die Rezeptoren befinden, die für das richtige Funktionieren der Unterstützungsreflexe verantwortlich sind, werden die Unterstützungsreaktionen durch das Skelett aufwärts bis zum Kopf aktiviert, indem man die Einmischungen in das Reflexsystem inhibiert. Ebenso verläuft die Arbeit von den Händen aus, da wir evolutionär von Vierfüßlern abstammen.
In der dritten Phase wird die unnötige Anspannung in den oberflächlichen Bewegungsmuskeln losgelassen, die ja durch das verbesserte Funktionieren des Unterstützungssystems von Haltearbeit entlastet werden. Hier beginnt man mit den Muskeln der Arme, schreitet abwärts durch den Rumpf und die Beine in die Füße. Wenn diese freier werden, kann dann das Unterstützungssystem noch effektiver arbeiten usw.
Diese spiralförmige Entwicklung führt zu einer gegenseitigen Verbesserung der Wirkungsweisen und hat als Resultat eine neue und angemessenere Kopf-Hals-Rumpf-Relation, was ja das Ziel Alexanders in seiner Arbeit war.

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